Archiv des Bündnis gegen Rechts Braunschweig

Offener Brief

Braunschweiger Bündnis gegen Rechts
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Braunschweig; 31.1.05

DGB Region SüdOstNiedersachsen
Gundolf Algermissen

Offener Brief

Lieber Kollege Gundolf Algermissen,

in einem Artikel der Braunschweiger Zeitung vom 27. Januar 2005 wirst Du mehrfach zum Aufmarsch, den die NPD im Juni in Braunschweig plant, zitiert. Da Du dort auch Aussagen über das "Braunschweiger Bündnis gegen Rechts" gemacht hast, die zum einen falsch und zum anderen geeignet sind, die Zusammenarbeit der Braunschweiger AntifaschistInnen massiv zu beeinträchtigen, möchte ich in Form dieses offenen Briefes für das Bündnis darauf antworten.

Zum einen hat Deine Aussage für Irritationen gesorgt, dass der DGB kein Bündnis gegen Rechts bilden werde. Das muss er ja auch gar nicht, da besagtes Bündnis bereits seit 1999 besteht und seitdem durch seine Arbeit nicht geringen Anteil daran hat, dass eine rechtsextreme Szene in Braunschweig derzeit nur fragmentarisch besteht. Das Ganze wird um so unverständlicher, wenn man bedenkt, dass der DGB bisher auch im Bündnis mitgearbeitet hat.

Weiterhin sprichst Du davon, dass in den Jahren 2000 und 2003 "gewaltbereite Gegendemonstranten" ein Eingreifen der Polizei provoziert hätten. Alle, die an den Gegendemonstrationen teilgenommen haben, fragen sich ernsthaft, welche Veranstaltungen Du eigentlich meinst, da es die Gewalttätigkeiten, von denen Du sprichst, schlichtweg nicht gegeben hat. Die Braunschweiger Zeitung selbst überschrieb den Beitrag zur 2000er Demonstration mit "Friedliche Demonstration statt der befürchteten schweren Krawalle" und nach der 2003er Demonstration konnte man lesen, dass sogar die Polizei selbst von einer friedlichen Demonstration sprach.

Das Braunschweiger Bündnis gegen Rechts sieht es als großen Erfolg an, dass sich in den letzten Jahren in Braunschweig alle im Bündnis vertretenen Antifaschisten, über Organisations- und Parteigrenzen hinweg, einig waren im Kampf gegen die Nazis und dies auch gemeinsam zum Ausdruck gebracht haben. Trotz der Unterschiedlichkeit der beteiligten Gruppen und Organisationen und verschiedentlicher Auffassungen über adäquate Aktionsformen, wurde im Bündnis stets ein Konsens gefunden, auf den sich alle einigen konnten und der von allen – auch dem DGB – mitgetragen wurde.

Und nur dieses gemeinsame Handeln war im Übrigen der Garant dafür, dass wir erfolgreich waren und z.B. 2003 der NPD-Aufmarsch nicht durch die Innenstadt ziehen konnte und nach 1/3 der geplanten Strecke von der Polizei abgebrochen wurde.

Mit Sorgen entnehmen wir Deinen Äußerungen, dass sich der DGB nun zum Richter darüber erhebt, wer „guter“ und wer „schlechter“ Antifaschist ist. Eine solche Diskussion führt nur zu einer Schwächung derjenigen Kräfte, die sich im Kampf gegen Rechts engagieren und nutzt letztendlich nur der Gegenseite.

Gerade vor dem Hintergrund des 60sten Jahrestages der Befreiung vom Faschismus muss die Einheit im Kampf gegen Rechts oberste Priorität haben.

Wir werden auch dieses Mal, die erfolgreiche Arbeit des Bündnisses fortsetzen und zu einer großen und breiten Gegendemonstration aufrufen, um den Nazis auch dieses Mal nicht die Straßen zu überlassen.

Wir rufen deshalb auch den DGB auf, die konstruktive Arbeit der letzten Jahre im Bündnis weiter fortzusetzen.

Mit solidarischen Grüßen
Für das Bündnis gegen Rechts
Udo Sommerfeld

Verteiler: Presse, Einzelgewerkschaften


 

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