Archiv des Bündnis gegen Rechts Braunschweig

Halbmond, Kreuz und brauner Sumpf

Kundgebung: 

Faschistischer und reaktionär-religiöser Hetze
entgegentreten !!!

Freitag, 11.02.2005 - 19 Uhr
Vor der Burschenschaft Thuringia / Konstantin-Uhde-Str. 10



Am 11. /12. Februar 2005 will die rechte Braunschweiger Burschenschaft Thuringia ihr alljährliches "Deutschlandseminar" veranstalten. Auch in diesem Jahr sind dazu wieder Redner aus der Braunzone zwischen Konservatismus, Neuer Rechter und Faschismus eingeladen. Referieren wird unter anderem  Prof. Dr. Klaus Weinschenk, ehemaliger Berliner Landesvorsitzender der Republikaner und gern gesehener Gast bei diversen Veranstaltungen der NPD.

"Mutig sei der Mann heiter bis zum Tode. Tapfere Männer zählen nicht der Feinde Menge" lautet der Wahlspruch der Burschenschaft Thuringia. Doch wenn die Türkei an die Tore Europas klopft und Eintritt begehrt, bekommt der eine oder andere Bursche schon mal kalte Füße: vor seinem geistigen Auge sieht er sofort seine geliebte "christliche Wertegemeinschaft" untergehen und den islamischen "Halbmond über Deutschland" aufgehen. Und so lautet auch der reißerische Titel des "12. Seminars zur Deutschlandpolitik" welches im Hause der Burschenschaft  Thuringia (Konstantin-Uhde-Str. 10) stattfinden soll: "Halbmond über Deutschland - Mögliche Folgen eines EU-Beitritts der Türkei für Deutschland".

Ein gern gesehener Gast bei der NPD
"Wenn nah', in Deutschland die Völker aufeinander schlagen - Psychopathologische Zukunftsvisionen", lautet der angekündigte Vortrag von Prof. Dr. Klaus Weinschenk. "Ich bin ein Nazi" verkündete eben dieser vor wenigen Jahren vor Burschenschaftern in Halle (den Saalschutz stellten dort übrigens militante Nazis des "Freiheitlichen Volksblocks")(1) Wen wundert es, daß Weinschenk nicht nur in Kreisen rechter Burschenschaften, sondern auch bei der NPD ein gern gesehener Gast ist: 1996 sprach Weinschenk bei einem Kongress der NPD-Jugendorganisation JN und 2001 beim sogenannten "1. Freiheitlichen Kongreß" des NPD-Verlages "Deutsche Stimme".(2) Im Juli 2003 trat er beim Nationalen Bündnis Dresden e.V." (NBD) auf, ein Zusammenschluss aus NPD, Republikanern (REP), Deutsche Volksunion (DVU) und der "Jungen Landsmannschaft Ostpreussen"  (JLO). Zum Umfeld des NBD zählen auch Personen aus dem Spektrum der militant-faschistischen "Kameradschaften".(3)

Ein fundamentalistischer Christ
Als weiterer Referent ist der pensionierte Kirchenrat und ehemalige Seelsorger im Bundesgrenzschutz Dr. Rolf Sauerzapf angekündigt. Er war Mitglied des "Hilfskomitees Südliches Afrika" (HSA), welches das damalige rassistische Apartheidregime in Südafrika unterstützte. Laut dem "Handbuch Deutscher Rechtsextremismus" bot das HSA einen "Rahmen für die Zusammenarbeit von Mitgliedern der Unionsparteien und Rechtsextremisten". Sauerzapf schreibt u.a. für die  Wochenzeitungen "Junge Freiheit" und "Criticon", beides Zeitschriften aus dem Spektrum der "Neuen Rechten". In seiner Heimatgemeinde hat Sauerzapf übrigens "Predigtverbot", weil er immer wieder gegen Homosexuelle hetzt und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare als "Zerstörung der Kirche" verteufelt.(4) 

Ein reaktionärer Moslem
Unausgewogenheit kann man den rechten Burschen nicht vorwerfen: So darf beim "Deutschlandseminar"  auch ein reaktionärer Moslem referieren, der sich selbst als "Islamist" bezeichnet: Dr. Yavuz Özoguz, Betreiber der Internetseite "Muslim-Markt" und Mitautor des Buches "Wir sind ‚fundamentalistische Islamisten' in Deutschland". Seine Internetseite geriet vor einiger Zeit in die Schlagzeilen, weil er Fotos jüdischer Opfer des NS-Terrors unkommentiert Fotos israelischer Soldaten als Täter im Palästina-Konflikt gegenüberstellte. Auf seiner Seite finden sich immer wieder Attacken gegen Homosexuelle und fortschrittliche Menschen aus dem arabisch-islamischen Raum und eine krude Mischung aus antisemitistischen und antiamerikanischen Verschwörungstheorien.(5) Auch mit der neurechten "Jungen Freiheit" hat er keine Probleme: Im Sommer 2004 lud er sie zum Interview zu sich nach Hause ein.

Gott, Allah oder doch lieber Odin?
Beim "Deutschlandseminar" reichen sich also fundamentalistisch-christliche Hassprediger, Vertreter der sogenannten "Neuen Rechten" mit Kontakten zur NPD und anderen Nazis, strammrechte Burschenschafter und reaktionäre Moslems die Hände. Auf den ersten Blick mag dies verwundern, verbindet man doch mit der NPD und der "Neuen Rechten" die rassistische Ablehnung "fremder" Kulturen. Gerade die hier lebenden Muslime werden aus diesen Kreisen gern als Bedrohung "deutscher Kultur und Identität" dargestellt.

Doch spätestens seit den Anschlägen auf das World Trade Center vom 11. September gibt es immer wieder Annäherungsversuche zwischen Faschisten und reaktionären Moslems. Sie eint nicht nur der Hass auf die USA, denen vorgeworfen wird eine "One World" zu errichten und "nationale Identitäten und Kulturen" zu zerstören und antisemitistischer Verschwörungswahn, sondern auch ihre reaktionären Moralvorstellungen. In der Ablehnung Homosexueller, der Propagierung der bürgerlichen Familie als einziger richtiger Lebensform und der patriachalen Rollenverteilung von Mann und Frau, sind sich reaktionäre Moslems, christlich-fundamentalistische Sittenwächter und Faschisten einig.

Besonders bei der NPD finden sich immer wieder positive Bezüge zum Islam: Im Oktober 2000 referierte der zum Islam konvertierte Schweizer Faschist und Holocaustleugner Ahmed Huber beim Jugendkongress der Jungen Nationaldemokraten (JN) zum Thema "Islam und neue Rechte". Seine Rede beendete mit den Worten "Allah sei mit euch". Der JN-Vorsitzende Sascha Rossmüller setze noch einen drauf und rief, man könne stolz sein, Allah und Odin hinter sich stehen zu haben.(6)

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(1) Quelle: Jungle World Nr. 47/1997 - http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/47/12c.htm
(2) Quelle: Deutsche Stimme, Juni 2003
(3) weitere Infos: http://stop-nationales-buendnis-dresden.tk/
(4) Quelle: http://www.vvn-bda.de/_bund/sehen22.
(5) siehe http://www2.shopping.t-online.de/dyn/c/10/61/97/1061972.html
(6) Quelle: Jungle World Nr. 3/2001 - http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2001/03/11a.htm


 

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